Vorträge (abstracts)

 16. Januar 2014, 14:30 Uhr – 15:30 Uhr

Christian Fandrych

Deutsch und Englisch an Hochschulen im deutschsprachigen Raum:Empirische Ergebnisse und praktische Erfordernisse

Gegenwärtig erleben wir im deutschsprachigen Raum eine intensive Debatte um die Rolle des Deutschen und Englischen in der Wissenschaft. Diese Debatte ist vor allem durch den Internationalisierungsdruck befördert worden, der zu einer – häufig unreflektierten und konzeptionell naiven – Entwicklung englischsprachiger Studiengänge geführt hat.

Die weit verbreitete Auffassung, ein englischsprachiges Studiengangangebot sei prinzipiell problemlos und könne die Anzahl internationaler Studierender an deutschsprachigen Hochschulen schnell steigern, hat sich nur bedingt als zutreffend erwiesen. Mittlerweile wird die Diskussion um die Frage der Sprache der Lehre in international ausgerichteten Studiengängen auch aufgrund von verschiedenen empirischen Studien zur Sprachsituation von internationalen Studierenden wesentlich differenzierter geführt. Es fehlen aber Visionen, Konzepte und differenzierte didaktische Modelle, die gerade in international ausgerichteten Studiengängen gezielt Mehrsprachigkeit fördern.

Im Vortrag sollen zum einen die Ergebnisse von empirischen Untersuchungen zur realen Sprachsituation in internationalen Studiengängen an deutschen Hochschulen dargestellt und diskutiert werden. Sodann sollen neuere Beiträge zur sprachenpolitischen Diskussion an deutschen Hochschulen kritisch gesichtet werden. Auf dieser Basis werden schließlich sprachenpolitische und sprachdidaktische Leitlinien entwickelt und zur Diskussion gestellt, die der gezielten Entwicklung von Mehrsprachigkeit dienen könnten.

_______________________________________________________________

16. Januar 2014, 16:00 Uhr – 17:00 Uhr

 Ulrike Arras

Testen schriftlicher hochschulspezifischer Kurzformen am Beispiel von Mitschrift und Exzerpt

Der standardisierte Test Deutsch als Fremdsprache prüft Deutschkompetenzen ausländischer Studentinnen und Studenten, die ein Studium an einer Hochschule in Deutschland aufnehmen wollen. Das Testkonstrukt zielt entsprechend auf jene rezeptiven und produktiven Sprachkompetenzen, Sprachhandlungen und Textsorten, die als relevant gelten für ein Hochschulstudium bzw. typisch sind für Sprachverwendungssituationen an der Hochschule.

Als wichtig für ein effektives Studium und als hochfrequent im akademischen Kontext gelten Mitschrift und Exzerpt. Das Anfertigen von Mitschriften und Exzerpten stellt hohe Anforderungen an die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten. So muss bei der Lektüre von Fachtexten nicht nur rezipiert, sondern auch das Wesentliche erkannt, verdichtet und schriftlich paraphrasiert werden. Beim Besuch einer Vorlesung ist entsprechend nicht nur Hör-Seh-Verstehen erforderlich, also die auditive Rezeption sowie das Mitlesen von Informationen auf Power-Point-Folie oder Handouts, sondern auch das zeitgleiche schriftliche Festhalten wichtiger Punkte oder Begriffe bzw. das Ergänzen von Handouts.Vor diesem Hintergrund sollte eine Prüfung wie der TestDaF die Fähigkeit zur Anfertigung von Mitschriften und Exzerpten erfassen. Tatsächlich berücksichtigt der TestDaF jedoch keine Testaufgaben, die genau diese Sprachhandlungen elizitieren. Allerdings erfasst der TestDaF Vorstufen dieser Sprachhandlungen durch verschiedene Itemtypen. So sind beispielsweise im Prüfungsteil Leseverstehen Multiple-Choice-Aufgaben zu Lesetexten mit wissenschaftssprachlichen Strukturen zu lösen, bei denen die zutreffende Hauptaussage eines Abschnitts oder des gesamten Textes ausgewählt werden muss. Im Prüfungsteil Hörverstehen müssen parallel zum Hören eines längeren Vortrags vorgegebene Fragen stichwortartig beantwortet werden (Kurzantworten). Diese Itemtypen bilden somit Vorstufen wissenschaftssprachlicher Kompetenzen ab, weil sie kognitive und sprachliche Fähigkeiten erfassen, die für das Verfassen von Mitschriften und Exzerpten erforderlich sind. Dieser Befund soll anhand konkreter Beispiele erläutert werden. Ausblickend sollen auch Überlegungen angestellt werden zu neuen geeigneten Aufgabenformaten.

Leitfragen werden sein:

          Inwiefern erfasst der TestDaF solche sprachlichen (und kognitiven) Kompetenzen, die für das Verfassen von Mitschriften, etwa im Seminar und in der Vorlesung sowie von Exzerpten bei der Lektüre von (Fach-)Texten erforderlich sind?

          Welche Aufgabenformate ermöglichen eine valide Erfassung solcher Kompetenzen?

          Welche Grenzen setzen Testformate hierbei?

 ________________________________________________________________

16. Januar 2014, 17:30 Uhr – 18:30 Uhr

 Gabriele Graefen

 „Die folgende Frage soll nun lauten: …“ Leserorientierung mit Konnektoren

Für ausländische Studierende ist das Verfassen einer Pro- oder Hauptseminararbeit fast immer eine gigantische Aufgabe, die viele einzelne Unklarheiten, unbekannte Klippen und schwer überschaubare Problembereiche einschließt. Erwartet wird nicht nur ein wissenschaftlich korrekter und stilistisch angemessener Text, sondern zusätzlich soll die innere Ordnung des Textes (Textorganisation) transparent sein. Makro- und mikrostrukturelle semantische Beziehungen sollten regelmäßig verbalisiert werden, mit dem Ziel der Leserorientierung.

Innerhalb der „Alltäglichen Wissenschaftssprache“ sind dazu bestimmte Lexeme konventionalisiert worden, andere, durchaus ähnliche, gelten aber als nicht geeignet. Warum kann man z.B. die Adverbien zunächst, zuvor und vorher für Textkommentierungen verwenden, nicht aber gleich, demnächst und hinterher? Eine wichtige Rolle spielen hier lokaldeiktische Sprachmittel wie hier und da (in der „Textgrammatik“ von Weinrich als „Positionsadverbien“ bezeichnet) und auch das qualitätsbezogene so, die allein oder in diversen Lexemkombinationen (meist mit Präpositionen) komplexe Aufgaben im operativen Feld wahrnehmen. Manche davon sind schon im Leseprozess für den Nichtdeutschsprachigen schwer zu durchschauen, etwa die jeweilige Bedeutung von dabei, so und somit. Dass Muttersprachler sie exakt verstehen, ist im Übrigen auch zu bezweifeln.

Im Vortrag werden verunglückte Versuche der Leserorientierung vorgestellt und analysiert. Außerdem versuche ich, eine nachvollziehbare Einteilung und Ordnung der wissenschaftlich gebräuchlichen Sprachmittel der Textorganisation und der Leserorientierung zu entwickeln, die als Hilfestellung für die DaF-Didaktik zur Verfügung gestellt werden kann.

________________________________________________________________

 17. Januar 2014, 09:45 Uhr – 10:45 Uhr

Helmuth Feilke & Martin Steinseifer

Schreibend Streiten –  Eristische Textkompetenz bei Studierenden mit Deutsch als L1 und L2

Wissenschaft ist eine kontrollierte Form des Streits. Was als Forschungsgegenstand gelten kann ist ebenso kontrovers, wie die geeigneten Methoden zu dessen Erforschung. Neue Erkenntnisse können nicht einfach als wahr behauptet werden, sondern müssen immer in Auseinandersetzung mit dem bisherigen Fachdiskurs zum Forschungsgegenstand gerechtfertigt werden und sich darin als relevant erweisen.

Die Eristizität (Streitförmigkeit) des Erkenntnisprozesses prägt das Ausdrucksrepertoire von Wissenschaftssprachen, und sie hat – gerade in der deutschen Universitätstradition mit ihrer starken Forschungsorientierung in Seminar und Seminararbeit – eine zentrale Bedeutung für das wissenschaftliche Schreiben Studierender. Eristische Textkompetenz, verstanden als Fähigkeit, im Schreiben widerstreitende Positionen darzustellen (Intertextualität) und zugleich für die eigene Problembearbeitung zu nutzen (Argumentatitvität), erweist sich im Erwerb als kritische Größe. Studierende haben nur wenige Vorerfahrungen mit domänentypischen Ausdrucksmustern und ihrer funktional sowie sachlich angemessenen Verwendung. Das gilt besonders für Studierende, deren L1 nicht Deutsch ist und die erst zum Studium nach Deutschland kommen.

Im Vortrag wird ein modulares Seminarkonzept vorgestellt, das die kontroversenorientierte Textproduktion in einer webbasierten Lernumgebung mit verschiedenen sprachreflexiven Komponenten verbindet und das uns als ‚Labor‘ für die empirische Untersuchung relevanter Erwerbsbedingungen dient. Anhand eines Master-Seminars mit hohem Anteil an Studierenden mit Deutsch als L2 wird das methodische Vorgehen verdeutlicht, und es werden Ergebnisse erster explorativer Fallstudien zur Diskussion gestellt.

__________________________________________________________________

17. Januar 2014, 11:15 Uhr – 12:15 Uhr

Marina Adams und Ute Koithan

Studieren auf Deutsch – Wunsch wird Wirklichkeit …

Internationale Studierende kommen an die Universität Kassel, um sich fachlich und für die Karriere (weiter) zu qualifizieren. Vor ihrem Studium steht eine Sprachprüfung (DSH, TestDaF), danach scheint der Weg frei für das Fachstudium.

Doch während des Studiums zeigen sich alle Facetten der Sprachlernschwierigkeiten aufs Neue: das Behalten, das Wieder- und Neulernen, die Autonomie, die Lernkontrolle weichen anderen (Fach-)Themen, geraten in Vergessenheit, um später mit Macht als Defizit zurückzukehren.

Eine Kontinuität im Sprachlernprozess könnte diesen Ablauf aufhalten, stoppen und die internationalen Studierenden gezielt unterstützen.

Wir möchten in unserem Beitrag eine Verbindung herstellen zwischen Anforderungen an die sprachliche Kompetenzentwicklung  vor dem Studienantritt (DSH-Vorbereitungskurse) und den Bedarfen bzw. Problemlagen der Studierenden, die sich bereits im Fachstudium befinden und intensiv Angebote zum wissenschaftlichen Arbeiten und  Schreiben wahrnehmen.

Hierzu werden Beispiele der schriftlichen/mündlichen studentischen Sprachproduktion im DSH-Bereich und im Fachstudium den Anforderungen der Wissenschafts- und Fachsprache gegenübergestellt, um die Herausforderungen für Lernende wie Lehrende zu verdeutlichen. Aus den Erkenntnissen der Praxis ergeben sich inhaltliche wie methodisch-didaktische Forderungen an studienvorbereitendes und studienbegleitendes Lehr- und Lernmaterial, die wir mit Vorschlägen für die Sprachausbildung zur Diskussion stellen.

Hier soll eine Brücke zwischen Vorbereitung aufs und Begleitung im Studium geschlagen werden. Praxisbeispiele veranschaulichen dabei die Ausgangslage, die Lernsituation und die methodisch-didaktische Zielsetzung.

_______________________________________________________________

17. Januar 2014, 14:00 Uhr – 15:00 Uhr

 Heike Brandl

Wissenschaftliche Textproduktion in der Fremdsprache Deutsch – Curriculum des Deutschlernangebots für internationale Studierende an der Universität Bielefeld

Mit erfolgreichem Bestehen der Deutschprüfung für den Hochschulzugang weisen internationale Studierende vorwiegend hohe allgemeinsprachliche Kenntnisse des Deutschen nach, die eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme des Studiums darstellen. Wissenschaftssprachliche Handlungskompetenz, die zur Erarbeitung mündlicher und schriftlicher Studienleistungen erforderlich ist, sollen sich die Studierenden anschließend, wie auch ihre muttersprachlichen Kommilitoninnen und Kommilitonen, vielerorts weitestgehend eigenständig erarbeiten. Dass dies eine höchst komplexe, zeitaufwändige und zudem nicht immer von Erfolg gekrönte Anforderung ist, wissen wir aus der Praxis sowie aus zahlreichen einschlägigen Studien.

Die Universität Bielefeld reagiert seit Längerem auf diese Studiensituation ihrer internationalen Studierenden mit einem fächerübergreifenden Deutschlernangebot, welches im Laufe der letzten Studienstrukturreform modularisiert und seither fächerübergreifend im Umfang von 20 ECTS in Bachelor- und Masterstudiengängen studierbar ist.

Der Beitrag skizziert eingangs die Rahmenbedingungen des Studiums und des sprachlichen Betreuungsangebots für internationale Studierende an der Universität Bielefeld. Im Zentrum der Ausführungen stehen das Curriculum der Module „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben in der Fremdsprache Deutsch“, „Rezeption und Produktion akademischer Texte in der Fremdsprache Deutsch“, „Die Abschlussarbeit in der Fremdsprache Deutsch verfassen“ sowie erste Erfahrungen damit und ein Ausblick auf weitere Entwicklungen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s